Persönlichkeit,
Jugend und Familie
Familie
Erzherzog
Rudolf wurde am 18. Juli 1552 als Sohn Kaiser Maxmilian II. und Maria von
Spanien (Tochter Karls V.) geboren. Rudolf hatte insgesamt sieben Geschwister,
darunter vier Brüder. Sein Bruder Ernst war Statthalter in Niederösterreich
und den Niederlanden, Matthias folgte Rudolf als römisch-deutscher Kaiser
nach, Maximilian III. bekleidete das Amt des polnischen Königs und war Landesfürst
von Tirol. Die beiden Schwestern Rudolfs, Elisabeth und Anna heirateten den
französischen (Karl IX.) bzw. den spanischen König (Phillip II.)
Das Interesse Maximilians II. an Kunst und Naturwissenschaft sollte seinen
Sohn nachhaltig prägen. Als besonders reizvoll empfand der Kaiser die Gartenlehre
und ließ die berühmtesten Botaniker seiner Zeit an den Hof rufen. Maximilian
II. hatte wenig für religiöse Ideologien übrig, er vertrat nicht mehr den
klassischen Katholizismus der Habsburger und stand den Anhängern des Protestantismus
offen gegenüber, er ermöglichte ihnen die freie Religionsausübung. Seine offene
Haltung in religiösen Fragen ist auch als "Kompromißkatholizismus" bekannt.
Jugend
Als
ältester Sohn war Rudolf zum Thronfolger seines Vaters bestimmt. Nachdem Rudolf
zwölf Jahre seines Lebens an den Höfen seines Vaters in Wien und Prag gelebt
hatte, mußten er und sein Bruder Ernst ihre weitere Jugendzeit am Hof ihres
Onkels, Phillip II. von Spanien, verbringen. Diese Maßnahme wurde von der
Verwandtschaft beschlossen, um Rudolf vom religiösen Freigeist seines Vaters
fernzuhalten. Offiziell hieß es, die beiden Söhne Maximilians II. sollten
für ihre zukünftigen Aufgaben als Staatsmänner vorbereitet werden. Die Erziehung
der beiden Erzherzöge folgte, dem Wunsche der Mutter entsprechend, gänzlich
nach katholischen Prinzipien. Besonderes Augenmerk legte Phillip II. auf die
korrekte Einhaltung des Hofzeremoniells, das Rudolf II. übernahm.
Die
beiden Brüder übten sich weiters im Zweikampf, Reiten, Schwimmen und Fechten.
Die jungen Männer erhielten Unterricht in Latein, Spanisch und Deutsch. Geschichte
zählte ebenfalls zur Ausbildung (mit besondere Betonung von Humanismus und
Renaissance), wie die septem artes liberales. Die Schlösser und Landschaft
Spaniens übten auf den späteren Kaiser stets eine Faszination aus und ließen
ihn seinen Sinn für die Kunst entdecken.
Maximilian
II. beschloß anläßlich der Hochzeit seines Bruders Erzherzog Karl II. von
Innerösterreich mit Maria von Bayern, seine beiden Söhne Ernst und Rudolf
aus Spanien nach Wien zurückzuholen. Ein prächtiges Fest wurde anläßlich der
Hochzeit veranstaltet: "Turniere, Festessen, Jagden ... deren Ausgestaltung
von niemand geringerem als dem Hofkünstler Giuseppe Arcimboldo gelenkt wurde".
Beide Erzherzöge wurden jedoch keineswegs besonders freundlich empfangen.
Der ihnen in Spanien vermittelte Stolz sowie die Tatsache, daß beide - Rudolf
im besonderen - sich wortkarg gaben, trugen ihres dazu bei.
Charakter
Rudolfs
Einstellung gegenüber der Kirche ist nicht eindeutig. Die negativen Erfahrungen,
die er in den Jugendjahren mit den Methoden und Grausamkeiten der Gegenreformation
(wie z.B. Ketzerverbrennungen) gemacht hatte, bestärkten Rudolfs humanistische
Entwicklung. Über die wahre Persönlichkeit und Charakterzüge Rudolfs II. berichten
die geschichtliche Zeitzeugnisse nicht immer objektiv. Fest steht jedoch,
daß Rudolf während seiner Regentschaft als römisch-deutscher Kaiser zu Beginn
der Türkenkriege an Schizophrenie erkrankte. Anfangs neigte der Kaiser zu
übertriebener Selbstdarstellung. Euphorie und Unansprechbarkeit wechselten
einander ab, später verweigerte er Audienzen. Mit fortschreitendem Alter führte
seine Krankheit zu schweren Depressionen, Verfolgungswahn und Tobsucht.
Der Kaiser zog sich deshalb immer häufiger zurück und
konnte die Amtsgeschäfte nicht mehr führen, sodaß ihn sein katholischer Bruder
Matthias schlußendlich für regierungsunfähig
erklärte und ihn seiner Macht beraubte. Rudolf wird oft als der "Sonderling
auf der Prager Burg" dargestellt. Seine Krankheit ließ ihn als weltfremden
Menschen erscheinen. Er hatte dem Vorurteil zum Trotz zeitlebens zahlreiche
Affären, aus denen etliche Kinder hervorgingen, konnte sich jedoch nie zu
einer Heirat durchringen. Stattdessen bevorzugte er es, mehrere längere Liebschaften
mit nicht standesgemäßen Frauen zu pflegen. Zu einer Heirat mit einer Adeligen,
die ihm eine Erbfolge durch eigene Nachkommen gesichert hätte, kam es nicht.
Isabella, Tochter Philipps II., war mit Rudolf verlobt, sein jahrelanges Zögern
brachte aber nicht die gewünschte Verbindung.
Die
von Künstlern am Prager Hof angefertigten Portraits Rudolfs zeigen ein keineswegs
beschönigendes und majestätisches Bild des Kaisers. Von einer idealisierten
Darstellung kann man beim Portrait durch Hans von Aachen keineswegs sprechen.
Die Schwächen des Kaisers treten deutlich hervor: Der charakteristische Vorbiß
der Habsburger ist ebenso eindeutig zu erkennen, wie die Darstellung seiner
hervorquellenden Augen. Das Bild zeigt uns einen depressiven und leidenden
Rudolf.
Wahlsprüche
Eng verbunden mit der Persönlichkeit eines Herrschers sind dessen Wahlsprüche,
die uns im Falle Rudolfs in Form von Münzen und Medaillen erhalten sind. In
der Kombination von Text und Bild bleibt die "absolute" Aussage stets verborgen.
Ein sehr häufig wiederkehrendes Motto ist ADSIT. Eine lateinische Deutung
lautet beispielsweise: Austria Divinis Semper Iucunda Triumphis, deutsch:
Österreich, stets erhabene Siege erzielend. Andere Wahlsprüche sind zum Beispiel
SALVTI PVBLICAE, deutsch: Dem allgemeinen Wohl oder FLVGET CAESARIS ASTRVM,
deutsch: Es leuchte des Kaisers Stern. - Was den Feinsinn, die Freude Rudolfs
an Kunst und die herausragende Sammeltätigkeit betrifft, ist dieser Spruch
sicherlich mehr als passend!
Rudolf war im Laufe seiner Regentschaft als böhmischer König und römisch-deutscher
Kaiser stets um die Förderung der Kunst bemüht. Er umgab sich mit den besten
Künstlern und Naturwissenschaftern seiner Zeit. Deshalb zählen die besten
Werke aus der Malerei ebenso zu seiner Sammelleidenschaft wie auch die berühmten
Werke der Steinschneidekunst aus der Werkstätte Miseronis. Zeitlebens versuchte
Rudolf seinen Grundsätzen getreu zu leben und zu herrschen, die da waren:
"Sehnsucht nach Frieden und Toleranz, Abscheu vor Grausamkeit und Gewalt,
Achtung der Weisheit, der Gelehrsamkeit und der Kunst". Aus diesem Grund war
Rudolf eine konfessionsbestimmte Aburteilung seines Volkes zutiefst fremd.
Rudolf II. achtete Persönlichkeit, Kunstfertigkeit und Kenntnisse.